18. Juli 2010 – Norddeutschland – Regionalbahn

„Veluxfenster, Vaillaint-Verteter, Designer-Straßenlaternen aus EU-Fördermittel, Gaststätten mit Plastestühlen und Industriesoßen – oder aber eckigen Glastellern und trotzdem Industriesoßen“ (via FAS)

Reisen durch die deutsche Provinz sind immer wieder erstaunlich. Nicht nur wegen der romantischen Betrachtung der Wälder, Wiesen und Seen (Zumindest dort, wo die Natur nicht offensichtlich einer menschlichen Optimierung zum Opfer gefallen ist). Nein, es zeigt uns auch ein Bild dieses diffusen Zusammenhangs namens Deutschland. Denn irgendwie scheint die niedersächsische Heide wenig mit der Seenlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns, den waldigen Hügeln Hessens oder unendlichen Dörfchen Ostwestfalens gemein zu haben. Vom Schwarzwald, den Alpen oder den bayrischen Hügeln ganz zu schweigen.

Doch zwischen diesem ganzen Chaos, den wahnsinnig unterschiedlichen Lebenssichtweisen und Gesichtern, Namen und Geschichten gibt es immer wieder kleine Kleckse des Wiederkehrenden. Und diese sind nicht immer nur gut. Wie ein Mantra begegnet man immer wieder den gleichen Läden: Das Dänische Bettenhaus, Lidl, Family, Kik, Aldi – es sind immer die gleichen aseptischen, mit einer Backecke ausgestatteten Supermärkte, die für die Versorgung im ländlichen Raum sorgen. Alle Häuser mit Solarzellen vollgepackt, dem grünen Gewissen geschuldet. Einzige schöne Ausnahme: die selbst organisierten Dorfladen, die Bürger betreiben, weil in ihren Kleinstädten und Dörfern zu wenig Profit steckt, wie die großen Firmen meinen.

Neben den Einkaufsmöglichkeiten sind es aber auch die Lokale, die als Gleichmacher das Leben in der Provinz bestimmen: Was vor Jahrzehnten noch die Akropolis, das Dionysos, das Athena, ist heute das Wang Village, Ming Palace oder die May Flower. Angewidert scheinen sich die Deutschen in den vergangenen Jahren nicht nur emotional und politisch von den Griechen abgewandt zu haben, sondern auch kulinarisch. Souflaki, Tsatsiki und Gyros zählen nichts mehr in unserem globalisierten Land. All-you-can-eat-Buffets mit zweimal gebratenem Schweinefleisch, süß-sauren Saucen und Reisberge dominieren die Weltläufigkeit in der Provinz.

Da freut man sich über jeden Hofladen, jedes Jugendzentrum, jede Land-WG, jeden Menschen, der den Ruf der großen Stadt widersteht und gegen die kulturelle und menschliche Verödung antritt. Wir fahren deshalb immer wieder gerne raus aufs Land!

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