17. April 2010 – Frankfurt – Bett

„Irgendwer wird dem Vulkan auch die Schuld an der Finanzkrise und der katastrophalen Situation der Deutschen Bahn geben.“ In den wenigen Sekunden, die man mit wildfremden Menschen im Zugflur auf den Stopp wartet, entspinnen sich manchmal Gespräche, die besser von keinem Literaten erfunden werden könnten. Vielleicht sonst nur von Dittsche. An diesem Samstag im April, sonnig und wolkenlos, ließen sich problemlos drei Ereignisse miteinander kombinieren: Der Ausbruch des islandischen Vulkans nahe des Gletschers Eyjafjallajökull, dessen Aschewolke über Europa den Flugverkehr zum Erliegen gebracht hatte; der geplante Börsengang der Deutschen Bahn, der nicht nur in Berlin für Ausfall der S-Bahnen gesorgt hatte, sondern auch für zahlreiche kaputte ICEs, wovon einer an dem Tag eine Tür verlor. Und der Brand eines LKW unter einer Hamburger Zugtrasse, der den Bahnverkehr stark einschränkte – bestimmt wieder ein Anschlag Wilder auf die Bürgerlichkeit, wie sie es in Hamburg und Berlin in den vergangenen Monaten immer wieder gibt.

In Frankfurt, dieser idealen Stadt des Standortfaktors innerhalb der Globalisierung, bescherte uns diese drei Ereignisse den wohl schönsten Himmel ever, einen unglaublichen Sonnenuntergang und – wegen der Überlastung der Frankfurter Hotels – ein Doppelzimmer. In Frankfurt waren wir auf Einladung von Frank. Frank betreibt in seiner Stadt den Klub mit dem wohl tollsten Namen: Das Bett. Feierwütige freuen sich immer darüber, mit Sprüchen ihrem Lieblingsklub abzufeiern. „Wollen wir heute Abend gemeinsam ins Bett?“ „Neulich bin ich wieder einmal mit XY im Bett abgestürzt.“ „Ich habe das ganze Wochenende im Bett verbracht.“ Toll! Frank war auch einer der ersten Veranstalter, der uns vor Jahren die Chance gab, außerhalb des Poetry-Slam-Umfeldes aufzutreten. Dafür sind wir ihm dankbar und seiner tollen DJ-Tochter für die Musik.

Frankfurt ist also immer nett zu uns gewesen. Dazu gehört auch Marc, der beim örtlichen Bürgerradio X die Ausgehsendung „X wie raus“ macht und der uns dieses Mal wieder in seine Sendung einlud. Es ist schön, dass es immer noch solche Institutionen gibt, die das Leben in einer Stadt abseits von Kommerzradios einfängt. Das Interview mit uns gibt es hier zu hören.

Gefreut haben wir uns auch darüber, endlich Wolfgang vom „Alice Project“ kennenzulernen, für den wir vor Jahren unser Ton-Steine-Scherben-Cover einmal aufgenommen haben. Alice setzt sich für die objektive Aufklärung von Drogen und Lebensentwürfen ein und pendelt zwichen Kommerz-Rave, Goa-Partys und Festivals, um in kleinen, informativ geschriebenen Flugblättern über die Auswirkungen von Drogen auf Kopf und Hirn aufzuklären. Für ihren Dienst werden sie sogar von der Frankfurter Stadt unterstützt.

ps. Im Fernsehen feierte sich übrigens die ARD für 60 Jahre Programm. Schön, wie „Tatort“-Schauspieler Jan Fedder sich nebenbei und live eine Flasche Schluck genehmigte, die er dann mit Karl Dall teilte. Erfrischend neben den anderen glatten Gestalten.

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