18. September 2011 – Chemnitz – Zukunft im Kompott

von beatpoeten

Wirtschaft, so heißt es, sei in der Theorie eine Art, Angebot und Nachfrage zu steuern, Mangel zu bekämpfen, Menschen aus Armut, Wohnungsnot, Hunger und Leid zu befreien. Eigentlich. Dann wiederum haben wir in nahezu allen deutschen Großstädten heute den Kampf um bezahlbare Wohnungen, die Gentrifizierung frisst nach und nach jeden lebendigen Stadtteil und verwandelt ihn in austauschbare Altbau-Ghettos mit schmucken Designer-Outlets und Galao-Cafés. München ist schon seit Jahrzehnten durchentwickelt, Hamburg ist fast fertig (Wilhelmsburch wird durch eine Gartenschau ersetzt), Berlin wird bald durch sein (Jaja, der Wedding soll ja gaaaanz groß kommen), in Leipzig, Dresden, Hannover (gerade werden an der Limmerstraße Falafelbude, ein uraltes Modehaus und ein Technikladen geräumt), Bremen etc. spürt man den Trend immer schärfer.

In Chemnitz werden junge kreative Menschen dagegen wie wild gesucht. Du bist Künstler und brauchst riesige Räume zu günstigen Preisen? Du hast eine große Familie mit vielen Kindern? Du möchtest gerne in einer ganzen Etage im Altbau wohnen, mitten in der Stadt? Dann hin da, nach Sachsen. Denn dort, in der ältesten Stadt Deutschlands, stehen ganze Viertel leer. Der Brühl, die ehemalige Vorzeige-DDR-Meile, wirkt verwaist wie nach einer Zombieattacke.

Als wir dort wie durch Zufall an einem regnerischen Sonntag durchschlenderten begegnete uns lange kein Mensch. In den Fenstern hingen keine Gardinen. Fast alles stand leer. Die Wohnungsgesellschaft (the GGG took my Wohnraum away!) möchte nichts vermieten oder zur Zwischennutzung freigeben. Irgendwann kommt sicher der große Investor und kauft den ganzen Stadtviertel. So wie in Dresden. Und bis dahin dürfen die Bewohner der tollen Stadt warten, und viele Initiativen, die mehr Lebendigkeit bringen würden, werden abgeblockt.

Gut, dass es die Menschen aus dem Kompott gibt (oder auch die Beta Bar oder das Atomino oder auch Kraftklub), die nicht stillsitzen wollen und ihrer Stadt ein wenig davon geben, was sie so dringend braucht: eine Zukunft.

PS: Kleine Grußrunde an die Kompotts, Weltechos und Kraftklub-Betreiber:
Reba lebt! Zumindest in unseren Erinnerungen und Herzen*

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